Ein paar gedruckte Zeilen können manchmal ein Menschenschicksal bestimmen. Liest da in den achtziger Jahren ein junger Bengel, der Sohn eines Polizeidirektors in Otava in Brünn in einem alten Journal, daß in England vor über dreihundert Jahren ein Kapuzinermönch öffentlich als Hexenmeister verbrannt worden ist. Er hatte (so heißt es) den Flöhen beigebracht, die menschliche Sprache zu verstehen und sich von ihm kommandieren zu lassen.

Ein Leben für Flöhe

Der sechzehnjährige Rallmund brauchte keinen Scheiterhaufen mehr zu befürchten. Er fing sich Flöhe und begann sie zu dressieren. Ärgerlich war es, daß sie ihm immer weg hüpften. Ein Floh springt zehn Zentimeter hoch und wenn er tüchtig ist, einen halben Meter weit. Weil dreißig bis vierzig nüchterne Flöhe auf ein Gramm gehen, könnte ein Mensch, wenn er das gleiche leistete wie ein Floh, aus dem Stand hundert Meter hoch und einen halben Kilometer weit hüpfen. Er wäre also mit einem mühelosen Sprung auf dem Turmknauf des Frankfurter Doms. Raimund half sich, indem er aus den goldenen Litzen an der Uniform seines Vaters dünne Fäden herauszog und sie den Flöhen hinter dem ersten Paar der sechs Beine um die Brust band. Die Fäden waren noch zu dick, später nahm er hauchdünne Goldfäden.
Jetzt konnten die Flöhe nur noch kriechen, und der Dresseur vermochte, sie vor selbstgebaute winzige Schlitten zu spannen. Die waren aber noch zu schwer, weswegen er aus feinem Blech kleine Leiterwägelchen baute, die leichter rollten und die er vier- und sechsspännig ziehen ließ. Er führte seine Künste in Gasthäusern vor und machte große Geschäfte damit. Bald zog er als Flohzirkusdirektor durch aller Herren Länder. Er hat Europa, Afrika, Nord- und Südamerika, Asien bereist, nur in Russland ist er auf seiner halb-hundertjährigen Wanderschaft noch nicht gewesen.        

Besuch bei Kaisern und Königen

Schon im Jahre 1998 führte er seine kaffee-braunen Raubtiere im Londoner Schloß der alten Königin Viktoria, Lord Kitchener und Lord Roberts vor und erhielt fünf Goldpfund dafür. Papst Leo XIII. Belohnte ihn für eine Sondervorstellung im Vatikan mit einer vergoldeten Medaille und dem päpstlichen Segen. Sultan Abdullah Hamid holte ihn sogar in seinen Palast am Goldenen Horn, um seinen Frauen eine Abwechselung zu bieten, und der Sultan von Marokko sagte ihm, Otava habe es nur seinen Flöhen zu verdanken, daß er als einziger Ungläubiger seinen Harem betreten habe. Der alte Kaiser Franz Josef ließ ihn zweimal zu Vorführungen kommen; das erste Mal beschenkte er ihn mit einer Schatulle voll Feinmechaniker-Werkzeug zum Bau der winzigen Dressurgeräte, das zweite Mal ließ er ihm fünf Golddukaten überreichen. Auch Wilhelm II. Ließ ihn zu sich kommen, was fünfzig Goldmark einbrachte.

Goldene Wagen, silberne Elefanten

Neue Einfälle sind bekanntlich mehr wert als die fleißigste Arbeit von früh bis spät. Man kann mit ihnen um die Welt kommen. Otava kam bis nach Kalkutta, wo er vor dem ersten Weltkrieg ein Boarding House betrieb und währendes Krieges als österreichischer Staatsangehöriger interniert wurde. In der Gefangenschaft führe er Flöhe vor, und es ging ihm gut. Von einem mitgefangenen Tätowierer ließ er sich vom Kopf bis zu den Füßen mit Bildern tätowieren, nur Gesicht und Hände blieben frei.

Zehn Mann hatten sich mit ihm zusammen aus Langeweile diesem langwierigen und schmerzhaften Verfahren unterworfen. Neun gaben es nach einigen Monaten vorzeitig auf. Otava aber, der Kleinste und Schwächste unter Ihnen, schaffte es, sich im Lauf von einem Jahr in einen „blauen Menschen“ verwandeln zu lassen. Jetzt konnte er auf zweierlei Weise sein Geld verdienen.

Zum Heiraten hat er sich vor lauter Abenteuern und Flöhen nur einmal aufgerafft. Es war eine schöne Person, meine Frau erzählte der Einundsiebzigjährige, „wenn sie die Haare aufmachte, dann fielen sie ihr bis auf die Knöchel, und sie konnte sich ganz darin einhüllen. Sie hätte eine Reklame für ein Haarwuchsmittel sein können.“ Nach halbjähriger Ehe kam sie bei einem Eisenbahnunglück zwischen Kairo und Alexandrien um. Seitdem habe er nicht wieder geheiratet. , genau wie die Elefantendompteure.        

„Ich habe ja immer fünfzig bis sechzig Weiber um mich“, lächelt er in seinen grauen, altertümlichen Schnurrbart. „Als Flohdresseur kann ich nämlich nur Flohweibchen verwenden. Bei ihnen liegt es daran, daß die Elefantenbullen zu bösartig sind. Für mich sind die Flohmännchen zu klein und zu schwächlich. Sie können nichts ziehen.“ - „Können Sie denn die Flohmännchen von den Flohfrauen auch nach etwas anderem als an der Größe unterscheiden?“ - „Ja, die Weibchen tragen das Hinterteil nach unten, die Männchen nach oben. Außerdem ist es bei den Flöhen umgekehrt wie bei uns – bei ihnen laufen die Weiber den Männern nach.“

„Ob es schwer ist, Menschenflöhe zu bekommen, weil sie heute fast ausgestorben sind? Die meisten Flöhe von denen jetzt Menschen gebissen werden, sind Hundeflöhe. Sie halten sich nicht gern lange auf Menschen auf. Wahrscheinlich haben die Flöhe so abgenommen, weil die Fußböden nicht mehr feucht aufgewischt werden, sondern mit Staubsauger und Mob bearbeitet werden. Das bekommt den Flohlarven, diesen millimeterlangen Würmchen, schlecht. Deswegen züchte ich meine Flöhe selber, ich habe mir einen guten Stamm von besonders großen aus Algier mitgebracht.

Die Algierflöhe sind die beste Dressurrasse. Sie haben wenigstens Kräfte und können ordentlich was ziehen, sie werden nicht so schnell müde. Die Larven füttere ich mit Gerstenmehl; es dauert ungefähr zwei Monate, bis aus den Eiern über Larven und Kokons wieder neue Flöhe geworden sind. Ein Menschenfloh lebt bis zu zwei Jahren und kann sechzehn bis zwanzig Monate arbeiten. Hundeflöhe werden in Freiheit nur drei bei vier Monate alt. Wenn sie gefesselt sind, sterben sie nach ein bis zwei Tagen. Sie mögen kein Menschenblut oder werden schwarz, wenn sie es getrunken haben.
 
Meine Menschenflöhe lasse ich auf den Armen oder auf den Beinen saugen, für gewöhnlich einmal am Tag, wenn sie arbeiten, zweimal. Es dauert zwei Minuten bis eine Viertelstunde bis sich ein Floh vollgesogen hat. Sie lieben auch nur Menschenblut. Ich habe versucht, sie auf der rasierten Haut von Hunden oder von kleinen Schweinen trinken zu lassen, aber sie mögen das nicht. Jucken tut es mich nicht, nur Hundeflöhe verursachen mir Flohstichschwellungen.“         Im Flohzirkus sieht man streichholzgrosse Flohwagen

Und während er erzählt, „arbeiten“ seine Flöhe. Ein kleiner, brauner Herkules steht auf dem Kopf und jongliert einen weißen Ball aus Holundermark auf den Füßen. „Auf Befehl“ schnellt er ihn weit in die Luft. In Wirklichkeit hört er natürlich nicht auf den Zuruf, sondern der Meister neigt den Floh mit dem Ball in die Waagerechte, dadurch wird die Last leichter, und der kleine Bursche kann sie wegschnellen. Aus einer alten Blechdose nimmt der Zirkusdirektor mit einer Pinzette kleine bunte Ballerinen aus Staniol heraus. Unter jedem Rock sitzt ein Flohmädchen, und so hüpfen und wirbeln die Tänzerinnen durcheinander. Zwei Flöhe bringen ein Karussell mit winzigen Elefanten zum kreisen. Ein ganzes Dorf wird aufgebaut, mit Bäumen, Kirche, Häusern und Flüssen. Ein Floh ist in ein Tretrad eingespannt und dreht eine winzige Windmühle, die aus einem Korken geschnitzt ist. Auf einer leicht geneigten Straße ziehen Flöhe zweispännig, vierspännig, sechsspännig Leiterwagen, Kutschen, Kanonen, Rotkreuzwagen. „Sie ziehen sie auch waagerecht, aber da ich ja den ganzen Nachmittag hintereinander vorführe, werden sie leicht müde. Es wäre für mich mühsam, jedes mal neue Flöhe einzuspannen. Deswegen mache ich ihnen die Arbeit etwas leichter, indem ich die Fläche neige.

Es gab eine Zeit lang sechs, acht, zehn Flohzirkusse in Europa. Alles waren ehemalige Schüler von Otava. Er ist als einziger seinen Flöhen treu geblieben und reist heute noch. „Lebende Flöhe mit Begleiter“ lesen die Leute auf seinem Wohnwagen, wenn er vom Bahnhof zum Schauplatz gezogen wird. Und während mir der Greis im Frankfurter Zoo seine Lebensgeschichte erzählt und seine Flöhe mit der Pinzette auf die kleine, papierbespannte Arena setzt, zittern seine alten Hände nicht. Sie sind glatt, ohne Aderngeflecht, wie die eines Dreißigjährigen.

Siebzig Jahre sind ein langes Leben. War es nun richtig, sich mit sechzehn Jahren für Flöhe zu entscheiden, oder hätte er lieber die goldenen Polizeilitzen seines Vater in Brünn tragen sollen?

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